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samedi, 25. août 2012
Stabil.

Ich hasse dieses Wort.

Stabil gefangen in einem Körper ohne Geist.


Bangen und übermüdet Warten.
Auf einen Anruf.
Auf die sehr knapp bemessenen Besuchszeiten.
2 Stunden und 30 Minuten täglich die wir uns mit Heuchlern teilen müßen.
Immer 2 Menschen rein, der Rest draussen.
Von 11:00 - 11:30
Von 15 - 16
und von 18 - 19 Uhr .
Dürfen wir bei dir sein.
Deine Hand halten.

Ich habe dich gestern abend beim Abendessen vermißt.
Und heute morgen habe ich viel zu viele Brötchen gekauft,
und du kamst nicht zum Frühstück.

Du wirst nie wieder mit uns am Tisch sitzen.

Verdammt.
Ich vermiße dich so sehr.

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Ein offener Brief
Wir haben ihn oft vor euch geschützt.
Ihn getröstet das ihr keine Zeit habt,
dass ihr soviel zu tun habt.
Ihr bestimmt eurer Bestes versuchtet. (-)
Und er hat auf euch gewartet.
Traurig. Unbesucht. Alt. Sehnsüchtig.

In Schutz haben wir euch geholt,
runtergeschluckt dass ihr keine Zeit haben wolltet für ihn.
es wäre einfach unverdient schmerzhaft für ihn gewesen.
Hatte er nicht immer für jeden diese Mangelware ZEIT?

Nun spielt die Zeit keine Rolle mehr.
Lasst sie euch nun, die Zeit.
Weint um die verlorene Zeit, sucht eure Ausrede um euch besser zu fühlen.


Die Menschen die für ihn da waren
hatten sein Lachen um sich, Tag für Tag.
Unnehmbar in unsern Herzen eingebrannt.

Ich versichere euch:
Es hat sich gelohnt.
Jede Minute. Jede Stunde - jeder Tag, Monat,
all die Jahre.

Dieser wundervolle, warme, großzügige und einmalige Mensch hat jede Zeit der Welt verdient.
Und wir uns die Zeit mit ihm.


Nehmt ihr euch jetzt das was
nicht mehr da ist, und setzt euch an sein Bett und bedauert euch selber.

Ich wünsche Euch das ihr euer Leben glücklich lebt.
Auch ohne Zeit.
Irgendwann glaubt ihr schon daran das die euch fehlende Zeit Schuld daran hatte.
Nur Mut.
Das Gewissen läßt sich auch betrügen.

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Lieber Papa!
Jeden Tag, an dem ich die Haustüre aufschloss, und du in deinem Sessel schliefst,
liess mich ängstlich zu dir hingehen.
Angst das du auch noch weg gehst, so wie Mama vor nun 22 Jahren.

Jeden Tag hatte ich diese Angst das du uns auch alleine läßt,
und wir erwachsen werden müßten. Endgültig.

In den letzten Jahren wurde es zum Ritual.
Morgens 7 Uhr bei deinem Sohn, nach 9 Uhr bei mir zum Kaffee.
Nachmittags hast du deine Runde noch einmal gemacht.
Zum Schluß meist bis 19Uhr hier gelacht, dich auch mal geärgert, mit uns gelebt.




Vorgestern Nacht war er dann da.
Der Anruf von dir.
Vor dem ich noch mehr Angst hatte als vor dem Tür aufsperren.

Der Notarzt brachte dich so schnell wie ein Stein zu Boden fällt ins Krankenhaus.
Und wir hinter dir her.

Morgens war unsere Hoffnung wie Wasser aus unseren Händen gefloßen.
Sie war noch etwas da. Etwas wollte nicht zu lassen zu wissen was unvermeidlich ist.
Wir müßen uns darauf vorbereiten erwachsen zu werden.
Ohne dich als Netz wenn wir fallen.



Heute ist es Gewißheit.
Du hattest wohl schon vorgestern Nacht beschloßen deinen Weg zu Mama zu gehen.
Gehalten haben dich Maschinen, Medikamente und vielleicht auch unsere Angst dich gehen zu lassen.

Ich habe verstanden, Papa.
Ich darf nicht egoistisch sein und dich so fest bei mir halten wie ich es eigentlich möchte.

Gewißheit, das dein Geist, das was dich viel mehr ausmacht als dein Körper schon an diesem frühen Sommermorgen gegangen ist.

Wir wissen das wir dich gehen lassen sollen.
Wir werden dich auch gehen lassen.
Auch wenn es noch so schwer fällt.

Wer trinkt dann morgens mit uns Kaffee?
Sitzt abends mit uns hier und diskutiert den Tag?

Ich sollte nicht so hilflos nach vorne schauen.
Ich sollte zurück blicken.
Auf all die schöne Zeit die wir zusammen erleben durften.
Dieser wunderbare Sommer, den du uns schon geschenkt hast ohne uns deine Qualen spüren zu lassen.
Und doch, sie waren da.
Wir wollten einfach nicht richtig hinsehen.
Aus Angst, einfach aus Angst zu sehen.


Papa!
Mach dich auf den Weg.
Warte nicht mehr.
Geh.
Mama wartet auf dich.
Schon so lange.
Wir schaffen das schon.
Wir werden uns gegenseitig stützen.
Dein Sohn und ich, deine kleine Tochter.
Seine Kinder, unsere Kinder, deine Enkel, Urenkel.


Wir lieben dich.
Wir werden euch Beide nie vergessen.
Unsern Kindern eure Geschichten erzählen.
Und die ihren Kindern.
So werdet ihr uns begleiten. Immer.

Ein Teil von uns stirbt nun mit dir.
Aber ein Teil von dir wird ewig in uns weiterleben.


Warte nicht. Wir sehen uns, wenn es an der Zeit ist, egal wo das auch sein mag.
Mach dich auf den Weg.

Für ewig in Liebe
deine Tochter





(die nun trotzdem ängstlich auf den letzten Anruf wartet).

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