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samedi, 25. août 2012
Lieber Papa!
Jeden Tag, an dem ich die Haustüre aufschloss, und du in deinem Sessel schliefst,
liess mich ängstlich zu dir hingehen.
Angst das du auch noch weg gehst, so wie Mama vor nun 22 Jahren.

Jeden Tag hatte ich diese Angst das du uns auch alleine läßt,
und wir erwachsen werden müßten. Endgültig.

In den letzten Jahren wurde es zum Ritual.
Morgens 7 Uhr bei deinem Sohn, nach 9 Uhr bei mir zum Kaffee.
Nachmittags hast du deine Runde noch einmal gemacht.
Zum Schluß meist bis 19Uhr hier gelacht, dich auch mal geärgert, mit uns gelebt.




Vorgestern Nacht war er dann da.
Der Anruf von dir.
Vor dem ich noch mehr Angst hatte als vor dem Tür aufsperren.

Der Notarzt brachte dich so schnell wie ein Stein zu Boden fällt ins Krankenhaus.
Und wir hinter dir her.

Morgens war unsere Hoffnung wie Wasser aus unseren Händen gefloßen.
Sie war noch etwas da. Etwas wollte nicht zu lassen zu wissen was unvermeidlich ist.
Wir müßen uns darauf vorbereiten erwachsen zu werden.
Ohne dich als Netz wenn wir fallen.



Heute ist es Gewißheit.
Du hattest wohl schon vorgestern Nacht beschloßen deinen Weg zu Mama zu gehen.
Gehalten haben dich Maschinen, Medikamente und vielleicht auch unsere Angst dich gehen zu lassen.

Ich habe verstanden, Papa.
Ich darf nicht egoistisch sein und dich so fest bei mir halten wie ich es eigentlich möchte.

Gewißheit, das dein Geist, das was dich viel mehr ausmacht als dein Körper schon an diesem frühen Sommermorgen gegangen ist.

Wir wissen das wir dich gehen lassen sollen.
Wir werden dich auch gehen lassen.
Auch wenn es noch so schwer fällt.

Wer trinkt dann morgens mit uns Kaffee?
Sitzt abends mit uns hier und diskutiert den Tag?

Ich sollte nicht so hilflos nach vorne schauen.
Ich sollte zurück blicken.
Auf all die schöne Zeit die wir zusammen erleben durften.
Dieser wunderbare Sommer, den du uns schon geschenkt hast ohne uns deine Qualen spüren zu lassen.
Und doch, sie waren da.
Wir wollten einfach nicht richtig hinsehen.
Aus Angst, einfach aus Angst zu sehen.


Papa!
Mach dich auf den Weg.
Warte nicht mehr.
Geh.
Mama wartet auf dich.
Schon so lange.
Wir schaffen das schon.
Wir werden uns gegenseitig stützen.
Dein Sohn und ich, deine kleine Tochter.
Seine Kinder, unsere Kinder, deine Enkel, Urenkel.


Wir lieben dich.
Wir werden euch Beide nie vergessen.
Unsern Kindern eure Geschichten erzählen.
Und die ihren Kindern.
So werdet ihr uns begleiten. Immer.

Ein Teil von uns stirbt nun mit dir.
Aber ein Teil von dir wird ewig in uns weiterleben.


Warte nicht. Wir sehen uns, wenn es an der Zeit ist, egal wo das auch sein mag.
Mach dich auf den Weg.

Für ewig in Liebe
deine Tochter





(die nun trotzdem ängstlich auf den letzten Anruf wartet).